Tipp #28: Der Hochzeitslader

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Heute geht es um einen traditionellen Tipp – eine Tradition, die mittlerweile etwas in Vergessenheit geraten ist. Es geht um den Hochzeitslader. Was ist das und braucht man den?

Den Hochzeitslader gab es schon im Mittelalter in vielen Ländern Europas. Sein Ursprung liegt im höfischen Bereich. Auf dem  Land erschien er erst im 17. Jahrhundert. Bis dahin trat er nur bei den großen Hochzeiten des Adels und des Großbürgertums auf.

Die Aufgaben waren vielfältig und regional verschieden: die Hochzeit ankündigen, Gäste einladen, Sorge tragen für die Einhaltung des Zeremoniells und den Ablauf der Feier zu organisieren.

Sein wichtigstes Utensil ist wohl der mit Bändern geschmückte Stock. Er erinnert an den Stab des Zeremonienmeisters bei Hofe. Der Stab geht zurück auf den Heroldstab des Hermes, lat. Merkur. Das Attribut aller Boten erinnert an seine ursprünglichste Aufgabe, nämlich das Überbringen der Einladung an die Gäste. Der Stab wurde mit verschiedenfarbigen Bändern geschmückt: weiß für die Jungfräulichkeit der Braut, rot für die Liebe, Blau für die Treue, Grün für die Hoffnung, oder in den Landesfarben Bayerns weiß und blau. Auch dafür gab es Vorschriften.

Im Bayrischen wird er auch Progroder/Prograder genannt. Kommt vom Lateinischen „procurare“ – „für etwas sorgen“. Es erinnert an die „Prokura-Vermählung“ wie sie in Herrscherdynastien üblich war. Dabei wird der Bräutigam von einem Bevollmächtigten ersetzt und erst später findet die kirchliche Trauung im Beisein des Bräutigams statt.

Das Ankündigen der Hochzeit und Verlesen dieser Ankündigung durch den Hochzeitslader war schon deshalb nötig, weil nur ein geringer Anteil der Bevölkerung lesen und schreiben konnte. Den ersten Beleg für einen Hochzeitslader in Bayern gibt es 1540 in Augsburg.In größeren Städten gab es auch Hochzeitsladerinnen.

Die Sitte des Hochzeitsladers verlagert sich auf den bäuerlichen Bereich. Auch heute gibt es bei ländlichen Hochzeiten in Bayern und Österreich noch Progroder.

Kam der Hochzeitslader früher auf den Hof hatte er drei Dinge zu erledigen: das Anzeigen der Hochzeit, das Aussprechen der Einladung und schließlich die Ankündigung des Ablaufs der Hochzeit.

Heutzutage werden schon weit vor der Hochzeit die „Save the Date“-Karten verschickt. Damals war der Terminkalender nicht so voll und eine Hochzeit eine willkommene Abwechslung.

Bei der Hochzeitsfeier war der Hochzeitslader dann sowohl Organisator und Moderator, als auch Dichter und Sänger.

Entlohnt wurde er vom Bräutigam. Vom 15. Bis zum 18. Jhd. wurde dieser Lohn durch die Gemeinde festgelegt (in Augsburg z. B. 4 Gulden. Zum Vergleich: ein Koch bekam damals 1 Gulden). Ein Hochzeitslader gehörte in der damaligen Zeit zu den absoluten Spitzenverdienern.

Heute sieht man die Hochzeitslader nicht mehr oft auf Hochzeitsfeiern. Ihre Aufgaben wurden aufgeteilt. Wedding Planer übernehmen mittlerweile einige Bereiche, aber auch die Trauzeugen oder teilweise auch die Bands.

Trotzdem eine schöne Tradition – und gerade wenn ihr in Bayern oder Österreich heiratet, wollt ihr ja vielleicht auf traditionelle Elemente zurückgreifen!


Kennt ihr denn schon die ganzen anderen Weddingtipps am #weddingwednesday?

Hier gibt es die Übersicht, wo ihr alle Tipps nachlesen könnt:  Alle Wedding-Tipps am #weddingwednesday


 

 

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Ein Gedanke zu „Tipp #28: Der Hochzeitslader

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